Tagebucheinträge zur Studienfahrt der Kursstufe 12 nach Auschwitz -
Tag 1: Montag, 19.02.2018:

Zum Einstieg unserer Studienfahrt nach Auschwitz haben wir uns mit dem Leben der jüdischen Bevölkerung in Oswiecim vom Mittelalter bis heute beschäftigt.


Dazu besuchten wir dort die einzig erhaltene Synagoge, welche heute als Museum genutzt wird. Der Einblick in die Geschichten und Schicksale der jüdischen Familien war sehr bewegend und zeigte uns auch Beispiele für den Zusammenhalt der christlichen und jüdischen Völker. Nach dem Abendessen stellte uns Frau Woitzik das Buch „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, von Halina Birnenbaum vor. Darin berichtet die ehemalige KZ-Gefangene von ihrem Schicksal als junges Mädchen während der nationalsozialistischen Zeit.
Diese Geschichte hat uns gezeigt, dass es auch Menschen gab, die eine Menge Glück hatten. Halina Birnenbaum konnte außergewöhnlich oft dem Tod entkommen. Heute lebt sie in Jerusalem und hält jedes Jahr zum Tag der Befreiung eine Rede in Auschwitz.

Vincent Huth, Anna-Sophie Voigt, Lisa Enke, Phil Brosam


Tag 2: Dienstag, 20.02.2018:
„Und Tausend Wörter werden eine Träne, die gefallen ist, nicht tragen können..."

Nach einer sehr emotionalen Führung durch das Stammlager Auschwitz hat uns Halina heute Abend in einer sehr eindrucksvollen multimedialen Präsentation drei Geschichten verschiedener Personen des Konzentrationslagers Auschwitz näher gebracht. Vielen von uns half diese Präsentation, die heutigen Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten und sie beispielhaft zu veranschaulichen. Außerdem verdeutlichte sie das Leid der Massenvernichtung enorm.
In der ersten Geschichte handelte es sich um einen polnischen Sportler, welcher auch gerechtfertigt ,,Multitalent'' genannt wurde, denn er war nicht nur ein extrem erfolgreicher Sportler, sondern auch künstlerisch sowie musikalisch sehr begabt. Er fertigte beispielweise Tabakschachteln an oder verzierte Teller aus Holz, als Geschenk für seine Mithäftlinge.
Als nächstes stellte Halina uns die Geschichte eines jungen polnischen Mannes vor, der einen Werdegang hatte, welcher für alle von uns nicht nachzuvollziehen ist. Er unternahm alles, um ein Teil des Deutschen Reiches zu sein, indem er zunächst in der Hitler-Jugend war, sich freiwillig für die Wehrmacht meldete und dann als Mitglied in der Waffen SS aufgenommen wurde.
Besonders interessant und beeindruckend fanden wir die letzte Geschichte von zwei Personen, ,,Edek und Mala'', welche im Lager und auch heute noch als ,,Romeo und Julia von Auschwitz'' bekannt sind. Sie lernten sich im KZ kennen und lieben, verbrachten so viel Zeit wie möglich miteinander und planten einen gemeinsamen Ausbruch, welcher ihnen durch die Hilfe ihrer befreundeten und vertrauten Mithäftlinge und eines Kommandoführers gelang. Jedoch missglückte diese Flucht, da sie nach geraumer Zeit von einer Grenzpatrouille eingefangen wurden. Sie trugen keine Papiere bei sich und wurden im Zuge dessen zum Tode verurteilt. Beide haben diesen Prozess nicht überlebt und auf diese Art und Weise den Drang nach gemeinsamer Freiheit mit ihrem Leben bezahlt. Um genauer zu erfahren, wie diese Geschichte ausgeht, ist es empfehlenswert, das Buch ,,5 Jahre Auschwitz'' von Wieslaw Kielar zu lesen. Wir empfanden die Einzelschicksale als sehr berührend und mitnehmend.
Alles in allem prägte uns dieser Tag mit vielen interessanten und berührenden Eindrücken, welche in solch einem Artikel nicht wiederzugeben sind, und hoffen darauf, dass jeder die Möglichkeit bekommen wird, unsere Geschichte auf sich wirken zu lassen. 

Jessica Brettschneider, Lisa Heß, Anne Voigt, Franz Esche und Helene Schakow

Tag 3: Mittwoch, 21.02.2018

Heute, am 21. Februar, begann unser Tag mit großen Erwartungen an unsere Führung durch das KZ Auschwitz - Birkenau. Es war bis jetzt der kälteste Tag der Studienfahrt. Die Führung startete in dem Aussichtsturm des Haupteingangs, von welchem man das gesamte, riesige Lager im Blick hatte. Die Größe des Lagers war gleichermaßen erschreckend als auch beeindruckend. Einige Baracken haben wir auch betreten und waren entsetzt, als unsere Führerin uns erzählte, dass die in die Wand geritzten Namen, Bilder und Hakenkreuze nicht etwa von Häftlingen, sondern von Besuchern stammten.
Jeder von uns trug eine gepolsterte Jacke, dicke Schuhe, Socken und Handschuhe, aber es gab niemanden, dem nicht kalt war. Kaum vorzustellen, wie es den Deportierten mit ihrer dünnen Uniformen und Holzschuhen erging.
Am Abend sahen wir uns den Film „Die Grauzone” an, welcher den Tag und die gesamte Studienfahrt “abrunden” sollte. Dies gelang sehr gut, hat aber einige unserer Mitschüler stark getroffen. Er hat unsere gesamte Gruppe sichtlich bewegt, hatte aber besonders auf eines unserer Mitglieder eine starke emotionale Wirkung, da er selbst ein vergleichsweise empathischer Mensch ist. Freunde so “leiden” zu sehen, war für mich daher ähnlich schwer, wie die Führung am Dienstag.
Nach unserer heutigen Führung dachte ich, dass Dienstag mit Abstand der schlimmste Tag war, da ich nur wenige Erwartungen an den Film hatte, jedoch wurde ich und sicher die meisten meiner Mitschüler vom Gegenteil überzeugt.

Robby Genschel, Philipp Schäfer, Til Zwerschke, Martin Miehle

Tag 4: Donnerstag, 22.02.2018

Unser Tag begann mit einer Führung durch die Stadt Krakau. Dabei war unser erstes Ziel die große, auf einem Berg stehende, ehemalige königliche Residenz.
Dort erfuhren wir viel Interessantes, z.B. die Geschichte, wie Krakau seinen Namen erhielt und dass Krakau am längsten die Hauptstadt von Polen war.
Auf der weiteren Tour besichtigten wir ebenfalls die Marienkirche. Sie ist im inneren Bereich mit fantastischen künstlerischen Werken verziert und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Außerhalb der Kirche sahen bzw. hörten wir den Kirchen-Trompeter spielen.
Auf unsere Erkundungstour Krakaus folgte die Besichtigung des berühmten Schindler-Museums. In diesem Museum hatten wir eine Führung, welche uns mit der Geschichte der Juden, die für Schindler in seinen Fabriken arbeiteten, vertraut machte. Das Besondere an diesem Museum war, dass wir mit allen Sinnen dazu lernten. Als besonders grausam blieb bei allen die Zigarettentasche aus Menschenleder in Erinnerung.
Auf der anderen Seite beeindruckte uns vor allem, dass Schindler  durch seine Fabrik über 1000 Juden das Leben rettete.
Nachdem wir im Schindler-Museum waren, gingen wir in die zweitälteste Synagoge der Stadt Krakau. Das Besondere an dieser Synagoge war, dass diese einen Friedhof für verstorbene Anhänger besaß. Wie üblich mussten wir eine Kopfbedeckung tragen, um in die Synagoge hineinzukommen. Damit zeigten wir unseren Respekt gegenüber der Religion.
Der Gebetsschrein und eine Wand voller Tafeln waren für uns absolute Highlights. Die Tafeln symbolisieren die verstorbenen Gläubigen dieser Religion. Auf die Gräber wurden viele Steine gelegt, da diese für die Ewigkeit stehen.
Sich eine Religion anzusehen und mehr darüber zu erfahren kann äußerst interessant sein. Letztendlich besuchten wir ein zweites Mal die Innenstadt und konnten in einer wunderschönen Stadt, welche am Abend in vollem Glanze erstrahlt, unsere Freizeit bis zur Rückreise verbringen.

Leon Erdmann, Philipp Goldemann, Benjamin Bohm