"Menschen, die in der Ungesetzlichkeit leben und handeln, verlieren bald jegliche Hemmungen und tun so ziemlich alles, was ihnen passiert." - Quelle unbekannt

Unser Tag begann mit einer kurzen Busfahrt, die im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau endete. Mit einem erstaunenden Blick aus dem Fenster, konnten wir uns einen ersten Eindruck über die Größe des Lagers machen. Auf dem Weg zu dem Eingangstor bemerkten wir schon, dass uns ein frostiger Tag bevorstehen würde. Ein mulmiges und ungutes Gefühl zog sich durch die Gedanken unserer Gruppe. Der Wachturm über den Haupteingang verschaffte uns einen überwältigenden Überblick von dem Ausmaß dieses Areals.

Es war kaum zu glauben, dass so viele Häftlinge auf diesem großen Gebiet untergebracht, so viele Qualen erlitten und schließlich grausam getötet wurden. Auf unserem dreistündigen Rundgang durften wir einen Blick in die verschiedenen Baracken aus Holz und Backstein werfen. Es ist unvorstellbar, dass in einem so kalten, kleinen und nassen Raum 400 bis 700 Häftlinge untergebracht wurden. Auf einer Pritsche mussten bis zu sechs Menschen schlafen.

Der eisige Wind schränkte unsere Konzentraion auf ein Minimum ein. Da halfen selbst dicke Socken und mehrere Kleiderschichten nichtmehr. Wie konnten die Häftlinge die extrem kalten Temperaturen überhaupt durchstehen? Auch die sanitären Anlagen waren unmenschlich und unhygienisch. In der Kinderbaracke fanden wir Zeichnungen eines Häftlings, welcher diese für die Häftlingskinder malte. Diese sollten den Häftlingskindern zumindest ein wenig Freude in den schon viel zu grauen Alltag bringen.

Auf unserem weiteren Weg erreichten wir das Ende der Schienen und sogleich das Denkmal für die unzähligen unschuldigen Opfer. Dort konnten wir Gedenktafeln in zahlreichen Übersetzungen finden.

Links und rechts waren die Ruinen der Krematorien und deren dazugehörigen Gaskammern zu sehen. Nachdem wir uns eine kleine Ausstellung in der "Sauna" ansahen, liefen wir den sich ewig lang erstreckenen Weg zum Ausgang, wo unser Busfahrer bereits auf uns wartete. Auf der Rückfahrt ließen sich einige bei einem örtlichen Einkaufszentrum absetzen, die anderen fuhren mit den Lehrern inclusive Bus zurück zum Hotel, um eine kleine Pause einzulegen. Halb drei ging es dann im Stammlager Auschwitz I weiter mit einem Workshop über SS-Männer und -Frauen. Die Erkenntnis war, dass die, die in dieser Vernichtungsmaschine arbeiten mussten, nur Menschen waren, aber dennoch die Täter. Nach intensiven Recherchen über einzelne Geschichten von ihnen wurde uns klar, dass von vielen die Gedanken und sozialen Einstellungen stark beeinflusst und vor allem gelenkt wurden. Keiner konnte einige Ausschnitte der Artikel so wirklich wahr haben und viele wollten es auch nicht.

Der einzig positive Punkt an diesem Tag war das Abendessen, welches endlich mal den meisten geschmeckt hat. Im Anschluss daran schauten wir den Film "Die Grauzone", um die letzten zwei Tage Revue passieren zu lassen. Der Film spiegelte die Grausamkeit der Lagerverhältnisse in Kürze wieder. Tränen und entsetzte Gesichter konnte man nach dem Film in einigen Gesichtern unserer Mitschüler wiederfinden. Um das Gesehene verarbeiten zu können, nutzten einige von uns die Möglichkeit in einer Gesprächsrunde mit Lehrern und anderen Schülern darüber zu sprechen. nach diesem bewegend Tag gingen einige bedrückt zu Bett, andere verbrachten die Zeit noch mit ihren Freunden.