Die erste Nacht war ziemlich kurz, denn um halb acht stand bereits Frühstück auf dem Plan. Trotzdem schafften es alle pünktlich am Frühstückstisch platz zu nehmen. Mit einer ausgewogenen Mahlzeit stärkten wir uns für den bevorstehenden Tag. Nach einem kleinen Fußmarsch mit kurzen Umwegen erreichten wir den Eingang zum "The State Museum Auschwitz-Birkenau".

Auf dem gesamten Gelände herrschen hohe Sicherheitsstandarts, somit durften wir keine größeren Taschen oder Rucksäcke mit hinein nehmen und mussten zu Beginn Sicherheitsschleusen passieren. Um unsere Führung akustisch zu optimieren, bekamen wir Funkgeräte mit Kopfhörern über die wir unseren Guide Halina besser hören konnten.

Ein bedrückendes Gefühl machte sich in der Menge breit, als wir das Eingangstor erreichten. Dieses Bild, welches man vielleicht nur aus Filmen oder Büchern kennt, war nun realitätsnaher denn je. Die ersten Worte der Halina beschäftigten uns enorm und Stille trat ein. Selbst die sonst so redebedürftigen Mitschüler hielten die Füße still. Wir schritten über den steinigen und stolprigen Weg mitten zwischen den ziegelroten Häuserblöcken. In diesen Blöcken besuchten wir eine Vielzahl an Ausstellungen, welche zum Einen sehr künstlerisch und eindrucksvoll gestaltet waren. Zum Anderen allerdings schockierten uns viele Orte, wie zum Beispiel der Keller im "Todesblock", die Abschusswand, der Galgen und der Anblick der rund zwei Tonnen an Haaren der Opfer. Selbst die Taffesten unter uns hatten von diesem Bild ein bedrückendes und seltsames Gefühl. Bei manchen waren Übelkeit und Schwindel typische Begleiterscheinungen. Das hinterbliebene Eigentum der Opfer lies bei uns allen gemischte Gefühle aufkommen. Die Massen an Brillen, Bürsten, Kämmen, Protesen, Schuhen und Kleidungsstücken, aber besonders die Kindersachen ließen einige erstarren, andere hingegen verspürten nicht mehr als Trauer.

Trotz allem waren die Eindrücke unserer Mitschüler ziemlich unterschiedlich, denn einige hatten ein fast friedliches Gefühl beim äußeren Erscheinungsbild der Häuser. Dieses kommt vermutlich daher, dass einige der Blöcke bereits vor dem Holocaust als Kaserne für das polnische Militär genutzt wurden und somit nicht ursprünglich als KZ gedacht waren.

Einer der Ausstellungsräume blieb uns besonders im Gedächtnis, weil mehrere Interviews von den Überlebenden der grausamen Zeit gezeigt wurden. Es war für viele sehr interessant, das Geschehene aus der Sicht ehemaliger Häftlinge zu erfahren. Desweiteren besichtigten wir auf unserer Führung das ehemalige Krematorium mit provisorischer Gaskammer von Auschwitz. Zum Ende warfen wir ein Blick auf das Buch der Toten, deren Anzahl wir kaum fassen konnten.

Im Anschluss beschäftigten sich die Gruppen mit den Arbeitsaufträgen für ihre Präsentationen im Fach Geschichte im Archiv, welches sich im Block 24a befindet. Eine Schülerin erzählte uns von ihrer Arbeit mit den Protokollen von den überlebenden Krankenschwestern, die für den Arzt Mengele auf der Krankenstation arbeiten mussten. Speziell hat sie die statistische Vorgehensweise von Mengele bezüglich der Zwillingsforschung und den Umgang mit den Kindern geschockt.

Unter den vielen Häftlingen gab es auch besondere Geschichten, welche uns nach dem Abendessen in einem Vortrag von Halina vorgestellt wurden. Unter anderem ein talentierter Sportler und Maler. Ebenfalls erzählte sie von einer Liebe zwischen zwei Häftlingen, die bis in den Tod zueinander hielten. Erstaunlicher Weise wurde einigen Juden Respekt von den SS-Männern durch ihre besonderen Talente entgegengebracht. Dies war natürlich nicht alltäglich im Lager.

Auch nach einem eindrucksvollen und bewegenden Tag bleiben starke Eindrücke und offene Fragen. Immer wieder stellten wir uns die selben Fragen: Wie konnte soviel Hass zu Menschen mit anderer Religion oder Ansicht entstehen? Wo war die Menschlichkeit zwischen den Einzelnen? Warum ist es überhaupt so weit gekommen?